Zum Zeichen eines Sieges hatten die Herolde sogleich die Fahne ihres Herrn aufpflanzen zu lassen
und für die Ablieferung der Fahnen der Verlierer zu sorgen. Und da die Herolde keine
kämpferischen Erfolge erringen konnten, sollten sie statt Kriegsbeute ein voll eingerichtetes Haus
oder den Gegenwert in Geld erhalten. Im Jahre 1380 ließ der Graf von Buckingham die Stadt
Vertus niederbrennen, weil die Einwohner ihre Häuser, auf die die Herolde Ansprüche erhoben,
nicht hatten auslösen wollen. Ihr Verhalten wurde diesen Herolden Übelgenommen; vielleicht
waren es Überhaupt solche, die das in ihr Amt gesetzte Vertrauen nicht verdient hatten. Das hohe
Ansehen und die Vorrechte des Berufsstandes Übten ja auch auf weniger verläßliche Personen
eine Anziehungskraft aus. Daher mußten französische Wappenkönige ihren König einmal bitten,
zu verbieten, daß Kaufleute sich als Herolde ausgaben, um steuerfrei zu sein. Nicht nur die
Steuerfreiheit war ein Privileg der Herolde, sondern auch die ungehinderte Freizügigkeit, die ihnen
weite Dienstreisen gestattete, auf denen sie ihre Kenntnisse von fremden Ländern und deren
Wappen erweitern konnten. Viele hielten, was sie sahen, in Wort und Bild fest; ihnen verdanken
wir die Wappensammlungen, auf denen unsere Kenntnis der mittelalterlichen Heraldik
hauptsächlich beruht. Es gibt nur wenige Berichte von ernsten Zwischenfällen, aus denen die
Herolde aber meist aufgrund ihrer Gewandung ungeschoren hervorgingen. Zwar hat 1524 in St.
Maximin in der Provence der Pöbel einen Herold Karls V. erschlagen; die Stadt wurde aber vom
erbosten Kaiser in Schutt und Asche gelegt. Umgekehrt hat Kaiser Karl V. einen französischen
und einen englischen Herold, die ihm 1528 einen Fehdebrief nach Burgos zu Überbringen hatten,
mit einem pelzgefütterten Rock und je tausend Talern belohnt und mit einem Geleit von
vierundzwanzig Bogenschützen zu sicherer Heimkehr ausgestattet.