Kreuzzüge 1096-1291
Der Orden des Heiligen Lazarus wurde als ältester hospitalische Orden der
Christenheit um das Jahr 1098/1099 gegründet.
Vor dem Jahr 1099 gab es in Jerusalem drei bedeutende hospitalische
Einrichtungen.
Das Hospital des Heiligen Lazarus, das Hospital Santa Maria Latina (beide aus
dem 4. Jh.) und das Hospital des heiligen Johannes (aus dem 9. Jh.) - alle drei
Institute bildeten das, was man unter dem "Hospital von Jerusalem" verstand.
Anfangs wirkte der Lazarus-Orden nur im Hospitalswesen, als um 1120 die
Ritterorden der Templer und Johanniter ihre an Aussatz erkrankten
Mitbrüder an den Orden des Heiligen Lazarus überstellten, übernahm der
Orden auch zunehmend militärische Aufgaben.
Diese Ritter bildeten im Lazarus-Orden die bedeutende militärische
Formation der "lebenden Toten". Sie waren wegen ihrer Tapferkeit gefürchtet
und zeichneten in den folgenden zwei Jahrhunderten in zahlreichen
Schlachten aus.
Die Zeit der Umwandlung in einen militärischen Orden fällt in die
Regierungszeit des Königs Balduin IV. von Jerusalem, der selbst an Aussatz
erkrankt, 20 Jahre mit der Krankheit lebte. Diese Zeit beeinflusste die
Lazarusritter auf das nachhaltigste.
Mit dem Fall der letzten Kreuzfahrerfestung Akkon 1291, bei deren
Verteidigung beinahe alle Lazarusritter umkamen, zog sich der Orden des
heiligen Lazarus, wie auch alle anderen Ritterorden, entgültig aus dem
Heiligen Land nach Europa zurück.
Diese Verlagerung hatte sich bereits davor, durch die Gründung der ersten
Ordensniederlassungen in Europa, abgezeichnet. So nahmen die Lazarusritter
auch im Wien des Jahres 1257 ihre hospitalische Tätigkeit im
"Sundersiechenhaus" (heute Wien III) auf.
Hoch- und Spätmittelalter
Nach dem Verlust des Heiligen Landes verlegte der Lazarus-Orden seinen
Hauptsitz erst nach Zypern, gefolgt von Sizilien und schließlich nach
Frankreich mit Sitz in Boigny.
1308 nahm König Philipp IV. von Frankreich den Orden unter seinen
besonderen Schutz.
Er begründete ein erbliches Protektorat der französischen Könige über den
Orden, das bis zum Ende des französischen Königreiches 1830 andauern
sollte.
Im Zuge dieses Protektorates entfaltete der Lazarus-Orden neben dem Dienst
an den Kranken auch wieder vermehrt seine militärischen Aktivitäten.
Im Hoch- und Spätmittelalter erfolgte generell eine lebhafte Entwicklung des
Ordens. So entstanden Ordensniederlassungen neben Frankreich auch in der
Schweiz (Seedorf, Meiringen), in Italien (Venedig, Capua), Österreich (Wien),
Deutschland (Gotha, Schlatt), Ungarn (Gran), Schottland (Linlithgow) und
England (Burton-Lazare).
Von der Reformation bis zur Französischen Revolution
Im Zuge der Reformation (1517-1555) verlor der Lazarus-Orden viele seiner
Besitzungen in Deutschland und der Schweiz. Aber auch in England liquidierte
König Heinrich VIII.(1509-1547), infolge seines Bruches mit der katholischen
Kirche, alle Güter des Lazarus-Ordens und nahm diese in Besitz. In
Frankreich blieb der Orden dank des königlichen Schutzes vor Enteignungen
verschont, wurde dort aber immer enger mit der Militärakademie verbunden -
die militärische Ausrichtung des Ordens wurde gestärkt. So unterhielt der
Orden im 17. Jahrhundert eine eigene Kriegsflotte von 10 Fregatten, die zum
Schutz der Schifffahrtsrouten im Mittelmeer eingesetzt wurde. Die weitere
Entwicklung des Ordens blieb eng mit dem französischen Königshaus
verbunden.
Der wohl einschneidendste Punkt in der Ordensgeschichte war der Erlass der
Bulle "Militarium Ordinum Institutio" durch Papst Clemens XIV. am
10.12.1772, der damit den Orden säkularisierte. Der Lazarus-Orden verlor
dadurch einerseits seinen geistlichen Charakter andererseits konnte der
Heilige Stuhl auch nicht mehr in Ordensangelegenheiten eingreifen.
Infolge der Französischen Revolution wurde der Lazarus-Orden 1791 - wie alle
anderen religiösen Institutionen - von der Pariser Nationalversammlung
aufgelöst, alle seine Güter wurden vom Staat eingezogen. Der Großmeister
Prinz Ludwig v. Bourbon, Graf der Provence, und mit ihm die gesamte
Ordensleitung gingen nach Russland ins Exil.